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Grünbuch zu Anwendungen der Satellitennavigation

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Rechte: EU

Für Europa im Weltall - Satellitennavigationssystem Galileo

Die Kommission der Europäischen Union (EU) hat ein Grünbuch zum Satellitennavigationssystem Galileo veröffentlicht, in dem die nächsten Planungsschritte für 2007 skizziert werden. Alle Interessierten – ob Behörden, Firmen, Organisationen oder Privatpersonen – sind aufgerufen, ihre Erwartungen an die Nutzung dieser Hochtechnologie zu formulieren. Die Ergebnisse sollen dann dem Europäischen Rat und dem Europaparlament zu weiteren Beratungen vorgelegt werden.

Keine Staus mehr an Autobahn-Mautstellen, Orientierung in unübersichtlichen Gebäuden, Überwachung von Tiertransporten, zielgenaue Flugzeuglandungen, Wegbeschreibungen für Blinde – dies und vieles mehr wird bald möglich sein dank Galileo, dem von der EU-Kommission und der Europäischen Weltraumbehörde ESA initiierten zivilen, satellitengestützten Navigationssystem. Das Programm beruht auf einer Technologie, bei der mehrere Satelliten Funksignale aussenden, die es Nutzern von entsprechenden Empfängern erlauben, ihre Position jederzeit sehr genau zu bestimmen. Damit diese Dienste funktionieren, werden dreißig Satelliten die Erde auf drei verschiedenen Bahnen umkreisen. Jeder Satellit ist mit Atomuhren ausgestattet, die eine präzise Zeitmessung gewährleisten. Die technische Steuerung erfolgt von Bodenstationen aus.

Kritische Technologien werden derzeit erprobt

Am 28. Dezember 2005 ist der erste Satellit in eine Umlaufbahn geschickt worden, der Start eines zweiten Satelliten ist für Ende 2007 vorgesehen. Mit diesen Satelliten sollen die kritischen Technologien erprobt und die Galileo zugewiesenen Frequenzen gesichert werden. Die Validierungsphase wird mit der Fertigung und dem Start der übrigen Satelliten sowie mit der Vervollständigung der Bodenüberwachungsanlagen fortgesetzt. Bau und Betrieb von Galileo erfolgen in Partnerschaft mit einem privaten, aus acht Partnern bestehenden Konsortium, in dem nahezu die gesamte europäische Raumfahrtindustrie vertreten ist. Der Konzessionsvertrag dürfte im Verlauf des Jahres 2007 unterzeichnet werden. Die Gesamtkosten für die Errichtung des Systems sind im Vergleich zu denen anderer großer Infrastruktureinrichtungen nicht sonderlich hoch. Die EU-Kommission rechnet mit 3,2 Milliarden Euro, das ist der Preis für 150 Kilometer Autobahn. Galileo fügt sich darüber hinaus bestens in die Wachstums- und Beschäftigungsstrategie der EU ein. Es handelt sich um eine Technologie, die stark im Kommen ist – das Marktpotenzial der Satellitennavigation ist beachtlich. Die Technologie könnte allein in der Europäischen Union 150.000 Arbeitsplätze schaffen, vor allem im High-Tech-Bereich.

Deutliche Vorteile gegenüber dem GPS-System

Galileo hat zwei Vorteile gegenüber dem jetzigen System, dem amerikanischen GPS (Global Positioning System): zum einen ein kontinuierliches und garantiertes Signal, zum anderen eine Ortungsgenauigkeit von zwei Metern (gegenüber nur rund zehn Metern beim GPS). Galileo ist ein weltweit offenes System – immer mehr Länder sind an einer aktiven Mitwirkung interessiert. Neben einer mit den USA unterzeichneten Übereinkunft zur Interoperabilität des europäischen und des amerikanischen Systems bestehen Vereinbarungen mit China, Israel, der Ukraine und Südkorea; mit Indien und Marokko sind ähnliche Übereinkünfte paraphiert worden. In Vorbereitung sind außerdem Vereinbarungen mit Norwegen und Argentinien – mit der Schweiz, Kanada, Australien, Saudi-Arabien und Brasilien laufen Gespräche. Galileo ist für die Zukunft der Hochtechnologie in Europa von zentraler Bedeutung. Der potenzielle Absatzmarkt ist gewaltig, und Europa bekommt den kritischen technologischen Vorsprung, der ein Konkurrieren auf dem Weltmarkt ermöglicht.

 

Quelle: EU-Nachrichten der Europäischen Kommission, Nr. 46 vom 7. Dezember 2006 (siehe Link)



Fundstelle: http://www.bmvit.gv.at/innovation/internationales/galileo/gruenbuch/gruenbuch.html
Stand: 09.02.2012