In der Verkehrstechnologie erreicht die Forschung und Entwicklung mit den bekannten Methoden und Ansätzen oft nicht die gewünschten Effekte. Die Komplexität der Systeme und die Vielfalt der Anforderungen sind zunehmend schwerer zu bewältigen. Hier hat sich in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Anleihe von Methoden, Erkenntnissen und Lösungsansätzen aus anderen Disziplinen zu neuen Fragestellungen und damit zu einer Neubewertung bekannter Projektansätze führt. Einer dieser Wege ist die Bionik, welcher die Wissensfelder von Biologie und Technik verbindet. Ein zweiter Weg ist die Verbindung der Kreativwirtschaft mit der Verkehrstechnologie. Diese beiden Ansätze bilden den Ausgangspunkt der Aktionslinie IMPULS. In den nächsten Jahren sollen noch weitere interdisziplinäre Annäherungen hinzukommen.
Unter dem deutschen Kunstwort Bionik wird ein interdisziplinäres Wissensfeld an der Schnittstelle zwischen Biologie und Technik verstanden, die zum Ziel hat, von biologischen Systemen abgeleitete Prinzipien für technische Anwendungen und Lösungsstrategien zu nutzen. Über die letzten Jahre hat sich Bionik als eigene Wissenschaft zunehmend etabliert, an Transparenz gewonnen und sich weltweit im universitären und industriellen Umfeld zu einem innovativen Forschungsumfeld entwickelt. Die in Österreich sichtbaren Ansätze zu sehr unterschiedlichen Themengebieten stellen bislang eher verstreute Einzelinitiativen dar. Auf vielen Ebenen herrscht noch Unwissenheit über den „Ideenreichtum der Natur“. Bei einer Befragung der österreichischen Forschungslandschaft wurde einerseits großes Interesse und eine hohe Gesprächsbereitschaft zum Thema Bionik registriert, andererseits besteht großer Aufklärungsbedarf.
Generell wird das Potenzial für die Nutzung von Forschungsergebnissen aus der Bionik in Österreich als sehr hoch eingeschätzt. Es besteht ein hoher Bedarf an Wissenstransfer von der Bionik in einzelne Technologiefelder im Verkehrssektor. Es besteht daher ein hoher Bedarf an Bündelung sowie Verbreitungsarbeit und Information.
Um die Aufgaben der Zukunft bewältigen zu können, müssen neue, erfolgversprechende Wege beschritten werden. Bionik, als einer dieser Wege, befasst sich mit der Erforschung von Errungenschaften der biologischen Evolution und der Überprüfung auf Umsetzbarkeit der Prinzipien in den technischen und organisatorischen Bereiche, mit dem Ziel, neue Konzepte und Produkte im Verkehrssektor anzuwenden.
Flugzeuge, deren Außenhaut der Haut von Haifischen gleicht, könnten ihren Strömungswiderstand um 20 Prozent reduzieren, Oberflächen mit der Mikrostruktur bestimmter Pflanzen wären resistent gegen Verschmutzung, Brücken, die nach dem Modell menschlicher Knochen gebaut werden, könnten bei deutlich geringerem Materialeinsatz ein Vielfaches der heute denkbaren Lasten tragen. Auch Organisationsformen der Natur und deren Prinzipien können als Vorbilder für menschliche Projekte dienen – beispielsweise durch analoge Anwendung von Erfolgsprinzipien wie geschlossenen Stoffkreisläufen, Energieeffizienz, Vielfalt, Selbstbegrenzung und lebensfähigen Systeme.
Innovationen und ökonomische Güter sind heute nicht mehr nur rein materiell, sondern sind aufgeladen mit Bildern, Symbolen und Bedeutungen. Gerade diese immaterielle Seite von Produkten und Dienstleistungen prägt heute Lebensstile und Konsumverhalten und ist in vielen Bereichen bereits wichtiger geworden als das materielle Produkt selbst. Die Erzeugung eines „kreativen und symbolischen Inhalts“ spielt heute neben dem klassischen Design (der Verbindung von Technologie mit Funktions- und Formdesign) eine zentrale Rolle in der Produktentwicklung. Diese ökonomische Entwicklung wird bislang in den meisten F&E-Programmen noch nicht mitgedacht. Stattdessen gibt es F&E-Förderprogramme, die explizit Produzenten in diesem Bereich, das heißt die Kreativwirtschaft (creative industries) adressieren.
Mit dieser Aktionslinie soll der Transfer kreativer Ideen und Lösungsansätze aus der Kreativwirtschaft in den Verkehrssektor gefördert werden und die Kooperation zwischen den beiden Wirtschaftsbereichen verstärkt werden.
Ziel ist es, ProponentInnen aus dem Bereich der Kreativwirtschaft stärker in Forschungs- und Entwicklungskooperationen im Verkehrssektor einzubeziehen und die kreative Herangehensweise und alternative Lösungsansätze in der Kreativwirtschaft für den Verkehrssektor zu nutzen. Bereiche wie Kommunikationsdesign, creative content Industrie, Produktund Industriedesign, eventuell auch Architektur sollen adressiert werden.
Die beiden Schwerpunkte Bionik und Createch der Aktionslinie IMPULS sind die ersten Schritte zur Erschließung neuer Erkenntnisse und Lösungsansätze aus der Wissenschaft und Kreativwirtschaft für den Verkehrssektor. Im Verlauf des Programms ist geplant, den Wissenstransfer auch aus anderen Wissenschaftsdisziplinen und Wirtschaftssektoren in den Verkehrssektor anzuregen.
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