Wien, 23.03.2010
Die Mannschaft von Rapid beim Fototermin mit Ministerin Doris Bures. Es ist neun Uhr Früh, das Training geht weiter. Rapid-Fans reisen vielfach mit Bim und Bahn zum Match.
Es ist ein altes Problem, und die Opfer sind oft sehr jung, viel zu jung zum Sterben oder um ermessen zu können, wie schwer es sich mit der Gewissheit lebt, den Tod eines Menschen verschuldet zu haben. 620 Menschen sterben jedes Jahr auf Österreichs Straßen. "Das ist so, als würden fünf große Flugzeuge abstürzen und alle Passagiere ums Leben kommen", sagt Infrastukturministerin Doris Bures beim Fototermin am ersten warmen Frühlingsmorgen im Wiener Hanappi-Stadion. Hier trainiert Rapid, jener Wiener Fußball-Club, der Zehntausende Fans mobilisieren kann, die vielfach genau der Zielgruppe für die Kampagne "Alkohol am Steuer tötet: Könnten Sie damit leben" entsprechen: jung, männlich und Führerscheinneulinge. Denn der Alkohol ist immer häufiger im Spiel, wenn ein Unfall Tote fordert, zeigt die traurige Statistik: Bei 8,7 Prozent der Fälle war im Jahr 2009 der Lenker über der Promille-Grenze unterwegs. 90 Prozent der Alko-Lenker sind Männer.
"Die Mannschaft von Rapid war sofort einverstanden, Bestandteil unserer Initiative zu sein", freut sich die Ministerin. Zuvor konnte sie bereits Niki "Nazionale" Lauda zum Engagement bewegen - für den ehemaligen Rennfahrer Ehrensache, sich für Verkehrssicherheit einzusetzen. "Es braucht immer Idole und Vorbilder, um jungen Menschen zu verdeutlichen, dass gewisse Verhaltensweisen nicht cool sind", sagt Doris Bures. "Das wirkt mehr, als wenn es nur die Politiker sind."
Viel zu schnell kann man nicht nur Opfer eines Verkehrsunfalls werden, sondern durch Leichtsinn Täter, ist ihre Überzeugung: "Ein junger Mensch wird aus seinem Leben gerissen und gerät in einem dramatischen Strudel an Ereignissen, die er natürlich verursacht hat, aber die so einfach zu verhindern gewesen wären." Deshalb wollte sie nicht eine Kampagne mit dem erhobenen Zeigefinger führen: Seht her, das ist der gewissenlose Alko-Lenker, vor dem wir jede Achtung verloren haben und der unser Mitleid nicht verdient, sondern die härtesten Strafen für seine Tat. "Mit einer solchen Figur will sich niemand identifizieren", meint sie. Dann würden sich wieder allzu viele denken, das kann einem selber doch nie passieren - wegen ein oder zwei Bier am Fußballplatz und vielleicht dann noch einmal kurz anstoßen auf den Sieg oder als Trost für die Niederlage des Lieblings-Clubs.
Dabei muss erwähnt werden, dass gerade die Wiener Fußball-Fans zu den Spielen bevorzugt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Vielleicht werden es in Zukunft noch mehr sein? "Wir haben seit dem Start der Kampagne am 6. November 2009 bereits einen leichten Rückgang an Unfällen unter Alkohol-Einfluss registrieren können", stellt Doris Bures fest. "Nachhaltig werden wir das Verhalten jedoch durch immer wiederkehrende Aufklärung, Präventionsmaßnahmen und natürlich einem ausreichenden Angebot an alternativen Verkehrsmitteln verändern können." Denn lieber wäre es ihr natürlich, wenn es ganz selbstverständlich wäre, dass Autofahren nur mit null Promille infrage kommt, "noch braucht es leider strenge Gesetze und strenge Kontrollen".
Jetzt lächelt die Ministerin aber, wenn sie mit den Rapid-Stars für die Kampagne posiert. Zwischen zwei Trainingseinheiten haben sie dafür eine Verschnaufpause eingelegt. "Aus jetzt, keine Fotos mehr! Wir müssen weiter trainieren!", hören wir alsbald auch schon die scharfe Stimme des Trainers Peter Pacult. Sollte doch einmal ein Spot mit einem raueren Ton angedacht wären, könnte er sich als Sprecher eignen.
[Hinweis: Doris Bures im Hanappi-Stadion im Gespräch mit der "Kronen Zeitung".]