Wien, 11.06.2010
Kreativ, engagiert, erfolgreich – das sind all jene Frauen, die im heurigen Herbst von ihr den Woman Award verliehen bekommen: Doris Bures, 47 und Ministerin für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit), hat bereits zum dritten Mal die Patronanz des großen Frauenpreises inne. Als wir die Politikerin in ihrem Büro am Wiener Stubenring treffen, spricht sie über Steine auf dem eigenen Karriereweg, ein geglücktes Halbe-Halbe und die Wichtigkeit des Scheinwerferlichts für Frauen:
Woman: Frau Bures, der Woman Award wird zum insgesamt achten Mal verliehen. Wie wichtig ist diese Auszeichnung?
Bures: Frauen sind fleißig, arbeiten hart und sind auch beruflich erfolgreich. Nur, sie reden so wenig darüber. Der Award rückt ihre Leistungen endlich ins Rampenlicht. Das ehrt die Preisträgerinnen und macht anderen Frauen Mut, weil sie sich mit Vorbildern auch mehr zutrauen.
Woman: Unsere Kategorie „Frauen in Technik und Forschung“ liegt Ihnen als Verkehrsministerin wohl besonders am Herzen?
Bures: Ja, weil die Bereiche noch immer sehr von Männern dominiert werden. Weniger als ein Viertel der Jobs sind mit Frauen besetzt. Dabei ist doch der Forschergeist bei allen kleinen Kindern vorhanden, egal ob Bursche oder Mädchen. Nur erlischt dann die Flamme für Technik. Es wird in Kindergärten mehr und mehr Forschungsecken geben, und auch die 1.000 Praktikumsplätze in Technologieunternehmen, die wir gemeinsam mit Woman anbieten, sind ein wichtiger Schritt.
Woman: Haben Sie versucht, Ihrer Tochter Bettina (heute 23) einen technischen Job schmackhaft zu machen?
Bures: Ich konnte mein Kind ab dem sechsten Lebensjahr kaum mehr beeinflussen. Das macht mich auch stolz, weil sie sehr selbstbewusst ist. Nachdem aber Eltern Vorbildfunktion haben und ihre Mama auch in einem frauenuntypischen Beruf war, hat sie das sicher geprägt. Maturiert hat Bettina jedenfalls in einem Schulzweig mit Schwerpunkt Informations- und Kommunikationstechnologie (lacht). Und jetzt studiert sie Wirtschaftsrecht.
Woman: Wie steinig war eigentlich Ihr Weg, um in der Männerbastion Politik Fuß zu fassen?
Bures: So wie der aller Frauen, die sich in Bereichen, in denen mehrheitlich Männer sind, durchsetzen möchten.
Woman: Ist Ihnen ein Erlebnis, wo es Ihnen besonders schwer gemacht wurde, in Erinnerung?
Bures: Bei uns zuhause – ich habe drei Schwestern und zwei Brüder – war immer klar, dass die Buben etwas lernen, weil sie später eine Familie erhalten müssen. Bei Mädchen war das nicht so vorrangig.
Woman: Wären Sie im Schlaraffenland zuhause, was würden Sie sofort für Frauen ändern?
Bures: Es gäbe gleiche Chancen für Männer und Frauen. Denn, wenn man sich ansieht, wie die Vermögen auf der Welt aufgeteilt sind und dass dabei Armut noch immer weiblich ist, weiß man, dass viel zu tun ist.
Woman: Hat es in Ihrer letzten Beziehung mit der Gleichstellung, dem Halbe-Halbe, geklappt?
Bures: Ja, unterm Strich schon. Auch wenn es Dinge gab, die ich oder Bettinas Vater zu 100 Prozent gemacht haben.
Woman: Vor mehr als zwei Jahren haben Sie sich von Ihrem Lebensgefährten getrennt. Ist es schwierig, als Ministerin wen Neuen zu finden?
Bures: Zu finden heißt, man ist auf der Suche (lächelt).
Woman: Es heißt doch immer "Macht macht sexy".
Bures: Nur bei Männern!
[Hinweis: Dieses Gespräch führte Katrin Kuba für "Woman", Ressort "Report".]