28.09.2010
Kaum ein Tag verging in den letzten Wochen ohne Meldungen von Extremrasern: Ein Lamborghini mit 274 Kilometer in der Stunde (km/h) auf der A 1. Ein Motorradfahrer mit 177 km/h im Ortsgebiet, was die Polizei "nicht so schlimm" fand. Die meisten kamen billig davon. Ein Vorarlberger, der seine Fahrt mit 300 km/h sogar filmte, blieb straffrei. Nun reicht es auch Verkehrsministerin Doris Bures. Im Kurier-Interview spricht sie über schärfere Maßnahmen gegen Raser und darüber, wann sie das letzte Mal zu schnell fuhr.
Kurier: Der Lenker eines 250.000 Euro teuren Lamborghini musste kürzlich für 274 km/h so viel bezahlen, wie eine Felge seines Wagens kostet. Glauben Sie, das wird ihn künftig davon abhalten, durch Österreich zu rasen?
Doris Bures: Ich glaube, dass Geldstrafen alleine zu wenig sind. Ich weiß nicht, wie hoch eine Strafe sein müsste, damit ein Lamborghinifahrer, der unvorstellbar schnell unterwegs ist, das dann auch spürt.
Kurier: Was könnte man tun, um derartige Exzesse künftig zu vermeiden?
Doris Bures: Bei solchen Extremrasern sollte der Führerscheinentzug gestaffelt sein. Ähnlich wie beim Alkohol nach den Promillewerten. Je schneller gefahren wird, desto länger danach der Entzug.
Kurier: Ab welcher Geschwindigkeit würde der Entzug länger werden?
Doris Bures: Es geht sicherlich nicht um kleinere Geschwindigkeitsübertretungen, die genauen Details müssen die Experten noch klären. Wir reden auch nicht von 20 oder 40 km/h zu schnell, sondern weit darüber. Weil Untersuchungen zeigen, dass längerer Führerscheinentzug in jedem Fall besser wirkt als höhere Geldstrafen.
Kurier: Was wird künftig gegen die ausländischen Schnellfahrer unternommen?
Doris Bures: Zunächst ist es einmal wichtig, dass es eine Gleichbehandlung mit den Österreichern gibt. Das will eigentlich jeder. Es gibt derzeit die Sicherheitsleistung und den Führerscheinentzug. Und künftig wird das bis zur Abstellung des Fahrzeuges gehen. Die Juristen nennen das dann Stilllegung, ich würde dazu eher Beschlagnahmung sagen.
Kurier: Längere Führerscheinentzüge für Extremraser, Beschlagnahmung von ausländischen Autos - haben Sie darüber eigentlich schon mit Ihrem Koalitionspartner gesprochen?
Doris Bures: Wir reden ständig in den verschiedensten Ausschüssen. Aber ich will in eine Diskussion mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP), nicht eine Konfrontation.
Kurier: In Österreich hat sich die Zahl der Schnellfahrerstrafen in zehn Jahren verdreifacht. Sind wir generell ein "Land der Raser"?
Doris Bures: Schaut man auf die Unfallbilanz, dann haben wir einen Rückgang bei den Getöteten und Verletzten. Aber im Bereich der Extremraser müssen wir noch Maßnahmen setzen. Ein Jahr nach Umsetzung des Verkehrssicherheitspaketes ist vieles besser geworden, aber eine Hochrisikogruppe haben wir immer noch: Die Raser.
Kurier: Wann haben Sie persönlich das letzte Mal fürs Schnellfahren bezahlt?
Doris Bures: Ich schließe nicht aus, dass man irgendwo mal schneller fährt. Aber ich fahre relativ viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Und sonst stimmt es natürlich, dass man als Ministerin auch chauffiert wird. Mein Fahrer achtet sehr darauf, nur ja nicht zu schnell zu fahren.
Kurier: Also war das vor Ihrer Zeit als Ministerin?
Doris Bures: Ich habe natürlich schon einmal fürs Schnellfahren bezahlt, aber das ist lange her. Und das war ganz sicher kein extremes Rasen.
[Hinweis: Dieses Gespräch führte Dominik Schreiber für den Kurier, Ressort Chronik.]