Wien, 29.10.2011
Neue Vorarlberger Tageszeitung: Frau Ministerin, kurz vor Ihnen waren Wirtschaftskammerpräsident Leitl und der steirische Landeshauptmann Voves hier. Warum geben sich österreichische Politiker in China die Klinke in die Hand?
Doris Bures: China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, hat Wachstumsraten von bis zu zehn Prozent. Hier öffnen politische Kontakte Türen für die Wirtschaft.
Neue Vorarlberger Tageszeitung: Was bringt Ihr Besuch konkret?
Bures: Wir haben die Möglichkeit, auf höchster Ebene das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass Österreich nicht nur für Tourismus steht, sondern auch für Hochtechnologie. Nachdem ich in Peking gelandet war, ist mir der Smog aufgefallen. In all meinen Gesprächen, etwa mit dem Verkehrsminister, war der Klimawandel Thema. Und genau auf diesem Gebiet gibt es Nischen, in denen wir Markt- und Technologieführer sind: bei innovativen Antriebsmotoren oder Energie produzierenden Häusern.
Neue Vorarlberger Tageszeitung: Besteht nicht die Gefahr, dass die Chinesen uns flugs kopieren?
Bures: Das geht ja nicht so einfach wie das Fälschen einer Handtasche. Die Technologien werden ständig weiterentwickelt, erst die Endfertigung der Produkte passiert in China. Das erhält wiederum die qualifizierten Arbeitsplätze bei uns.
Neue Vorarlberger Tageszeitung: Apropos Klimaschutz: Umweltminister Berlakovich hat in der Kleinen Zeitung angekündigt, er werde den Biosprit forcieren.
Bures: Biosprit klingt gut, aber die Erfahrungen in Deutschland damit waren durchwegs negative. Es sind zu viele Fragen offen: Vertragen das die Motoren? Wie groß ist der ökologische Fußabdruck? Welche globalen Auswirkungen hat es? Selbst die Weltbank sagt, dass Biosprit die Preise für Getreide und Zucker massiv in die Höhe treibt.
Neue Vorarlberger Tageszeitung: Das kommt also nicht?
Bures: Wir müssen die Vorgabe der Europäischen Union (EU) erfüllen: Zehn Prozent des Verkehrs sollen mit erneuerbaren Energien laufen. Ich schlage vor, dass wir statt Biosprit besser Elektromobilität fördern und die Bahn ausbauen.
Neue Vorarlberger Tageszeitung: Passiert nicht das Gegenteil?
Bures: Der Eindruck täuscht. Die Bahn ist noch nie so viele Kilometer gefahren, hat noch nie so viele Passagiere transportiert. Auch im und in den Süden. Das Einzige, was reduziert wird, sind die direkten Verbindungen Graz-Salzburg. Drei Mal pro Tag war der Vorschlag der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), aber wir verhandeln noch mit den Ländern. Wovon die Südösterreicher ganz sicher profitieren werden, ist, dass die baltischadriatische nun zu den zentralen Achsen Europas gezählt wird.
Neue Vorarlberger Tageszeitung: Trotzdem meinen manche Experten noch immer, wir sollten anstelle des Koralmtunnels die Unis finanzieren...
Bures: Das kann man nicht gegeneinander aufrechnen. Laut OECD sind die entscheidenden Faktoren für qualifiziertes Wachstum und Beschäftigung Investitionen in Forschung und Verkehrsinfrastruktur.
Neue Vorarlberger Tageszeitung: Ihr Vorgänger als Infrastrukturminister, Kanzler Faymann, muss viel Kritik einstecken für die Art, wie unter seiner Führung Inserate von ÖBB und Asfinag in Wiener Boulevardzeitungen geschaltet wurden. Handhaben Sie das anders als er?
Bures: Mit dieser Diskussion sollen nur die Korruptionsfälle aus der Zeit von Schwarz-Blau vernebelt werden. Es ist meine Aufgabe, mit diesen Unternehmen nicht nur wirtschaftliche und verkehrspolitische Strategien zu entwickeln, sondern auch die Kommunikation darüber. Ich mache das laufend. Und der Ministerrat hat auf meinen Vorschlag hin die Asfinag einstimmig damit beauftragt, eine Informationskampagne über die Rettungsgasse zu machen. Wo wie viele Inserate erscheinen, ist dann Sache des Vorstandes. Ich selbst habe nie ein Inserat gebucht.
[Hinweis: Dieses Gespräch führte Eva Weißenberger in Shanghai für die "Neue Vorarlberger Tageszeitung", Ressort: Politik.]