Innovative Monitoring- und Therapieformen basieren oft auf der Anwendung neuer Techniken und Algorithmen und somit auf einer engen Interaktion zwischen den entsprechenden Entwicklern, beispielsweise biomedizinischen Technikern, und den betroffenen Patienten. Befinden sich Patient und Entwicklungsteam an verschiedenen Orten, so bietet sich für die Realisierung einer optimalen Therapie beziehungsweise Überwachung das Telemonitoring an.
Im Rahmen dieses Forschungsauftrages wurde die Machbarkeit des Telemonitorings untersucht, wobei Patienten in Bad Kreuznach (Deutschland), Wien, Villach und Passail vom Ludwig Boltzmann Institut an der Technische Universität (TU) Graz betreut wurden. Es wurde ein spezielles Telemonitoring-System zur Umsetzung des "Brain Computer Interface" (BCI) als neue Therapieform für komplett gelähmte Patienten entwickelt. Damit konnten bewegungs- und sprechunfähige Patienten ("Locked-in-Syndrom") in einem regionalen Krankenhaus, Pflegeheim beziehungsweise in ihrer eigenen Wohnung unter qualifizierter wissenschaftlicher Anleitung und Überwachung ein Trainingsprogramm zur EEG-gesteuerten Kontrolle und Kommunikation absolvieren. Darüber hinaus konnte im Rahmen des Projektes auch gezeigt werden, dass dieses Telemonitoring-System ganz allgemein zur Online-Überwachung von Biosignalen (zum Beispiel kombiniertes EEG-Herzraten-Monitoring) geeignet ist, wie erste Erfahrungen aus dem Bereich der Neonatologie verdeutlichen.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass mit einer relativ einfachen und kostengünstigen "Telesupport"-Verbindung zwischen Patienten und Experten beziehungsweise zwischen einem Krankenhaus/ Pflegeheim und einem wissenschaftlichen Labor therapeutische Leistungen ermöglicht beziehungsweise verbessert werden können, die ohne Telesupport nur schwer zu erreichen wären. Im Falle des Telesupports für Patienten mit Locked-In-Syndrom müsste bei jeder EEG-Messung ein Experte (zum Beispiel Psychologe und/oder biomedizinischer Techniker) vor Ort anwesend sein, und das gegebenenfalls bei bis zu hundert Trainingseinheiten. Für die weltweite Betreuung von Locked-in Patienten mit dem an der TU Graz entwickelten BCI-System könnte in Zukunft ein Satelliten-Telemonitoring eingesetzt werden.
G. Pfurtscheller, 2003