Der Luftfahrtsektor erwirtschaftet mit 70.000 direkt und indirekt Beschäftigten vier Milliarden Euro Wertschöpfung pro Jahr. Die optimale Einbindung in das globale Flugverkehrsnetz ist für Österreich ein wesentlicher Standortfaktor. Wie sich der Luftfahrtstandort Österreich in den kommenden zehn Jahren entwickeln wird, ist Gegenstand der Road Map Luftfahrt 2020, die das Verkehrsministerium gemeinsam mit der Branche und internationalen Expertinnen und Experten erarbeitet hat.
Verkehrsministerin Doris Bures hat diese Strategie am Montag gemeinsam mit Ursula Zechner (Sektionschefin im bmvit), Univ.-Prof. Pablo Mendes de Leon von der Universität Leiden und Mario Rehulka (Präsident des österreichischen Luftfahrtverbands) präsentiert.
"Wir haben uns in der Regierung das Ziel gesetzt, den Luftfahrtstandort Österreich zu stärken. Ein starker Luftfahrtstandort ist ein echtes Asset für den Wirtschaftsstandort Österreich an sich. Und: eine enorme Chance für Wachstum und Beschäftigung", so die Ministerin. Die Strategie wurde entlang der internationalen Herausforderungen und der Stärken des Standorts Österreich entwickelt.
In den letzten zehn Jahren sind die Passagierzahlen in Österreich um 60 Prozent gestiegen. Im Jahr 2010 hatten wir 24,5 Millionen Passagiere. Ein ähnliches Wachstum zeigte sich bei der Entwicklung der Luftfracht. Diese ist sogar um über 80 Prozent in den letzten zehn Jahren gestiegen. Zur Veranschaulichung: Die im Jahr 2010 transportierten 250.000 Tonnen entsprechen 8.300 vollbeladenen Lkws.
Die europäische Flugsicherheitsorganisation Eurocontrol rechnet damit, dass es bis 2030 nahezu zu einer Verdoppelung der Nachfrage nach Luftverkehrsdienstleistungen (im Vergleich zu 2007) in Europa kommen wird.
Dazu kommt: Es gibt einen enormen Wettbewerbsdruck unter den Airlines, immer neue Geschäftsmodelle kommen auf den Markt. Das vor dem Hintergrund steigender Treibstoffpreise auf der einen Seite und ehrgeiziger Klimaschutzziele auf der anderen Seite. Nicht zu vergessen, die terroristische Bedrohungen, die Fliegen nicht nur für den Einzelnen spürbar und nachhaltig verändert hat.
Österreich hat in diesem globalen System eine wichtige geographische Lage. Österreich ist international in einer bevorzugten Position. Gemessen an den Flugbewegungen gehört der Flughafen Wien zu den Top 10 der größten europäischen Drehkreuze. Damit ist für Österreich die Luftfahrt auch von außergewöhnlicher standortpolitischer Bedeutung.
So generiert der Luftverkehr etwa 70.000 direkte und indirekte Arbeitsplätze. Und eine geschätzte Wertschöpfung von 4 Milliarden Euro. Es gibt in Österreich 240 Unternehmen, die im Flugzeugbau, in der Zulieferung und in der Luftfahrtforschung tätig sind.
Für den Wirtschaftsstandort Österreich ist die Zahl der Direktverbindungen besonders wichtig. Bei einer Befragung unter 100 Wiener ManagerInnen sagen drei Viertel, dass ein Bedeutungsverlust des Flughafens Wien zu einer Abwanderung von Headquarters führen würde. Deshalb werden die Anstrengungen erhöhen, mehr Flugverbindungen mit Zukunftsmärkten wie beispielsweise Russland und Indien nach Wien zu holen.
Die Attraktivität jedes Flughafens wird auch an seiner Erreichbarkeit gemessen. Der Flughafen Wien ist straßenseitig sehr gut angebunden und auch die Bahnanbindung im Bereich des Vororteverkehrs ist gut. Aber es gibt Aufholbedarf im Bereich des Regional- und Fernverkehrs.
Durch den Umbau des Bahnhofs am Flughafen Wien Schwechat wird es ab 2014 möglich, den Flughafen Wien an das höherrangige Schienennetz anzubinden. Mit dem Neubau der Spange Götzendorf, der Verbindung Ostbahn - Flughafenschnellbahn wird es in wenigen Jahren möglich, dass man den Flughafen aus Bratislava, Wiener Neustadt, St. Pölten in einer Stunde erreicht – ohne Umsteigen. Aus Budapest, Graz, Linz in zwei Stunden – auch hier ohne Umsteigen. Aus diesen Städten erreichen dann 4,5 Millionen Menschen den Flughafen Wien in weniger als zwei Stunden per Bahn.
Unter Flugzeugbetreibern besteht aufgrund steigender Rohstoff- und Energiepreise der Wunsch nach Fluggeräten mit geringem Treibstoffverbrauch. Gleichzeitig gewinnen Umwelt und Nachhaltigkeit als Qualitätsindikatoren des Luftverkehrs weiter an Bedeutung. Es wird daher im Bereich des Luftfahrzeugbaues an Initiativen gearbeitet, welche den Treibstoffverbrauch weiter senken und die Lärm- und Umweltbelastung reduzieren. Das bmvit fördert die technologische Weiterentwicklung über das Luftfahrtforschungsprogramm Take off.
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