„Pack´s leichter an!“, die Europäische Informations- und Inspektionskampagne der Arbeitsinspektionen zur manuellen Handhabung von Lasten im Transport- und Gesundheitswesen, die in Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission ausgearbeitet wurde und 2007 in allen 27 Mitgliedstaaten durchgeführt wurde. Mit dieser Kampagne sollte die Prävention von Erkrankungen, die durch manuelle Handhabung von Lasten verursacht werden und die daraus resultierenden sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen in den Vordergrund gestellt werden.
Eine große Anzahl von Beschwerden, die mit dem Begriff „Muskel- und Skeletterkrankungen“ bezeichnet werden, stehen an erster Stelle bei arbeitsbedingten Gesundheitsproblemen europäischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Bei der im Jahr 2000 durchgeführten dritten Europäischen Studie in den 15 Mitgliedsländern der Europäischen Union (EU) zu den Arbeitsbedingungen, haben 33 Prozent der Betroffenen über Rückenschmerzen geklagt.
In Österreich (laut Handbuch der österreichischen Sozialversicherung, 2006) stehen die Muskel- und Skeletterkrankungen 2005 an zweiter Stelle hinter den Krankheiten der oberen Luftwege, das sind circa 14 Prozent aller Krankenstandsfälle und an erster Stelle mit circa 21 Prozent aller Krankenstandstage, das sind: 420.726 Krankenstandsfälle mit 7,296.006 Krankenstandstagen.
Muskel- und Skeletterkrankungen haben ihre Ursache nicht nur im Heben und Tragen, sie umfassen ein breites Spektrum von Beeinträchtigungen der Gesundheit wie Rückenschmerzen und Rückenverletzungen, arbeitsbedingten Erkrankungen der oberen Gliedmaßen, das bekannte RSI-Syndrom sowie der unteren Gliedmaßen. Zu den physischen Ursachen von Muskel- und Skeletterkrankungen gehören neben der bereits erwähnten Lastenhandhabung vor allem falsche Körperhaltung, unpassende Bewegungen, extreme Bewegungswiederholungen, kraftintensive manuelle Tätigkeiten, Vibrationen, aber auch kalte Arbeitsumgebungen.
Das Transportwesen (Flughäfen, Häfen) und das Gesundheitswesen wurden als bevorzugte Zielbereiche der Präventionskampagne ausgesucht, da in diesen Sektoren gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit der manuellen Handhabung von Lasten in besonders signifikantem Maße auftreten.
Die Inspektionskampagne wurde durch das Verkehrs-Arbeitsinspektorat zwischen September und Mitte November 2007 auf 6 österreichischen Flughäfen in insgesamt 7 Unternehmen durchgeführt.
Über Förderbänder werden die Gepäckstücke vom Check-In in die Gepäckzentrale befördert.
Die Mitarbeiter verladen diese Gepäckstücke in Container oder als Stückgut auf Gepäckwagen, abhängig von der Größe des Flugzeugs.
Gepäckcontainer werden mit Transportanhängern zu den Flugzeugabstellpositionen gebracht und dort mittels Hubbühnen in die Laderäume der Flugzeuge verladen. Stückgut wird auf Gepäckwagen zu den Flugzeugabstellpositionen transportiert und muss dort von den Mitarbeitern (Lader) vom Gepäckwagen auf ein Kofferförderband umgesetzt werden. Ein weiterer Kollege übernimmt im Laderaum die Koffer direkt vom Förderband und schlichtet diese. Bei der „Hold-Beladung“ kann in den Stauräumen des Flugzeugs nur in gebückter oder kniender Position gearbeitet und geladen werden. Bei Kleinflugzeugen entfällt das Förderband, es wird direkt vom Gepäckwagen in den Laderaum des Flugzeugs geladen.
Während die Beladung der Gepäckstücke erfolgt, werden im Passagierraum die Leergebinde der Bordküchen auf Rollcontainern ausgeladen und im Gegenzug das neue Catering (Speisen und Getränke) sowie Zeitungen eingeladen und in den Stauräumen der Bordküchen verstaut.
Zugleich mit der Gepäckverladung findet auch der Frachtumschlag statt. Die Frachtstücke werden, wenn erforderlich, umgeschlichtet, umhüllt und vernetzt und in den erforderlichen Gebinden bzw. Paletten zu den Flugzeugen geliefert. Zur Unterstützung werden Stapler, höhenverstellbare Verladerampen und Palettenbauplätze verwendet.
Zur Risikobeurteilung der praxisgerechten Analyse der objektiv vorhandenen Arbeitsbelastungen wurde die Leitmerkmalmethode für Heben, Halten und Tragen sowie für Schieben und Ziehen herangezogen. Die Beurteilung erfolgt grundsätzlich für Teiltätigkeiten und ist auf einen Arbeitstag zu beziehen.
Anschließend wird aus den Einschätzungen dieser Leitmerkmale ein Risikowert errechnet, der Werte von 2 bis circa 80 annehmen kann. Dabei gelten Werte bis 25 als praktisch sicher, Werte oberhalb 50 als stark risikobehaftet. Im Bereich von 25 bis 50 ist die Risikoabschätzung unter Berücksichtigung der individuellen Belastbarkeit der Arbeitnehmer vorzunehmen. Grundsätzlich gilt bei Werten unter 25 Punkten kein Handlungsbedarf, bei Werten von mehr als 50 Punkten die Notwendigkeit einer technischen und/oder organisatorischen Umgestaltung.
Die größten Belastungen wurden im Bereich Vorfeld festgestellt. Bei der Be- und Entladung der Flugzeuge vom Vorfeld aus, ergaben die Auswertungen eine wesentlich erhöhte Belastung der Arbeitnehmer. Hier erscheinen Gestaltungsmaßnahmen als angezeigt. Für die Be- und Entladetätigkeit im Hold ergaben die festgestellten Punktwerte eine hohe Belastung, bei der eine körperliche Überbeanspruchung wahrscheinlich ist. In diesem Fall sind Gestaltungsmaßnahmen erforderlich.
Nach dem Vorfeld stehen die Belastungen durch die Gepäcksmanipulationen in den Gepäckzentralen an zweiter Stelle, gefolgt von den Lasthandhabungstätigkeiten im Frachtbereich.
Die Manipulation im Zusammenhang mit dem Catering ergab bei der Ermittlung einen Punktwert von weniger als 25. Entsprechend der Beschreibung der Leitmerkmalmethode, können hier bereits für vermindert belastbare Personen erhöhte Belastungen auftreten, die zu einer körperlichen Überbeanspruchung führen können.
Gemeinsam mit der Ermittlung der Belastungen mittels der Leitmerkmalmethode wurden auch die Sicherheits- und Gesundheitsschutzdokumente überprüft, ob die manuelle Lasthandhabung bei der Evaluierung berücksichtigt wurde und die aufgrund der Beurteilungen notwendigen arbeitsplatzbezogene Maßnahmen dokumentiert und auch umgesetzt wurden.
Maßnahmen zur Belastungsreduktion:
Während der Inspektionskampagne lief auf einigen österreichischen Flughäfen ein vielversprechender Versuch mit einem Förderband (Power Stow, Rollertrack Conveyor), welches das Gepäck selbständig bis ins Hold befördert und dort von einem Mitarbeiter dann nur mehr verstaut werden muss. Die sehr anstrengende Tätigkeit des Ziehens und Schiebens der Gepäckstücke in dem platzmäßig sehr beengten Holds würde dadurch weitestgehend wegfallen.