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Forschungs- und Technologiebericht 2015

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Titelbild
Rechte: bmviit

Der Österreichische Forschungs- und Technologiebericht 2015 ist gemäß § 8 (2) Forschungsorganisationsgesetz (FOG) ein Regierungsbericht, der sich den aktuellen nationalen und internationalen forschungs- und technologiepolitischen Herausforderungen durch Analysen aktueller Entwicklungen und Trends stellt. Vor dem Hintergrund des immer noch schwierigen wirtschaftlichen Umfelds wollen wir uns der Entwicklung der Ausgaben für Forschung und experimentelle Entwicklung (F&E) sowie den globalen Trends in der Forschungsfinanzierung verstärkt zuwenden; darüber hinaus werden spezifische Schwerpunktthemen präsentiert.

2015 werden die F&E-Ausgaben Österreichs gemäß der von Statistik Austria erstellten Globalschätzung erstmals über  10 Milliarden Euro (10,1 Milliarden Euro) liegen, was einer Forschungsquote von 3,01 % des BIP entspricht. Gegenüber dem Jahr 2014 bedeutet dies eine nominelle Zunahme von rund 271 Milliarden Euro betiehungsweise + 2,8 %. Mit einem erwarteten Plus von 3,9 % verzeichnet der Unternehmenssektor die höchste Wachstumsrate; mit rd. 4,76 Milliarden Euro beträgt sein Anteil 47,2 % an der gesamten F&E-Finanzierung. Der Anteil der Auslandsinvestitionen beträgt mit 1,53 Milliarden Euro rund 15 %, womit ein Gesamtfinanzierungsanteil des privaten Sektors von rund 62 % erreicht wird. Das bedeutet eine weitere Annäherung an das, durch die Europäische Union vorgegebene und in der österreichischen FTI-Strategie verankerte Ziel einer Verteilung der Forschungsfinanzierung auf zwei Drittel privat und ein Drittel öffentlich. Der Bund finanziert 2015 mit geschätzten 3,21 Milliarden Euro rund 32 % der gesamten F&E-Ausgaben, gegenüber dem Vorjahr um 44,7 Millionen Euro beziehungsweise + 1,4 % mehr. In den letzten sechs Jahren, seit Beginn der Krise, hat die öffentliche Hand ihre F&E-Finanzierung stark ausgeweitet, diese liegt nominell 2015 um rund 42 % höher als im Rezessionsjahr 2009. Im internationalen Vergleich liegt Österreich 2013 mit einer F&E-Quote von 2,95 % des BIP erfreulicherweise deutlich über dem EU-Durchschnitt von 2,01 % und weist nunmehr vor Deutschland, aber hinter Finnland, Schweden und Dänemark die vierthöchste Forschungsquote auf.

Die vorliegenden Zahlen zeigen einmal mehr, dass Österreich seit Jahren viel Geld in den Forschungs- und Innovationsbereich investiert. Der Weg zum Innovation Leader ist aber noch mit Hürden verbunden und bedarf noch weiterer Anstrengungen. Wichtige Maßnahmen wurden daher von der Bundesregierung auch durch die jüngste Steuerreform  gesetzt, die die Anhebung der Forschungsprämie auf 12 % ab 2016 oder eine Zuzugsprämie für internationale SpitzenforscherInnen vorsieht. Des Weiteren sind Erleichterungen bei gemeinnützigen Stiftungen in Planung, die Anreize zur Steigerung des geringen Anteil der gemeinnützigen privaten Investitionen in die Forschung erhöhen sollen. Darüber hinaus soll mit einem Alternativfinanzierungsgesetz die Finanzierung von Start-Ups und KMU drastisch erleichtert und der Unternehmergeist in Österreich gestärkt werden.

Der vorliegende Regierungsbericht bietet einen Überblick über die jüngsten Entwicklungen und Maßnahmen zur Umsetzung der FTI--Strategie des Bundes und stellt spezifische Initiativen der verantwortlichen Ressorts vor, die auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Kontexten der politischen Wirksamkeit und (Selbst-)Verpflichtung angesiedelt sind und zur Zielerreichung wesentlich beitragen sollen. So entwickelte das BMWFW zum Beispiel den „Aktionsplan für einen wettbewerbsfähigen Forschungsraum“ und legte damit ein spezifisches  – wenn auch nicht ausschließliches – Arbeitsprogramm für 2015 und 2016 vor. Das Ressort initiierte die Standortstrategie „Leitbetriebe“, die zur Dynamisierung von Forschung und Innovation beitragen sollen.

Der Bericht richtet dieses Jahr den Fokus unter anderem auf die universitäre Profilbildung, die Definition von Forschungsschwerpunkten und langfristige universitäre Zielsetzungen in Verbindung mit einer verstärkten strategischen Ressourcenplanung, da Universitäten mit ihren Forschungsleistungen eines der Rückgrate der öffentlich finanzierten Forschung darstellt. Spezielles Augenmerk wird auch auf das von der Europäischen Kommission forcierte Konzept der "Smart Specialisation" für wissens- und innovationsgeleitete regionale Wachstums- und Entwicklungsstrategien und die Rolle und Wirkung der Universitäten in der Region gelegt. Die steigende Bedeutung der F&E-Drittmittelfinanzierung an Universitäten und die Implikationen dieser Entwicklung auf das universitäre Forschungsportfolio, auf das universitäre Management und gleichzeitig auf die Entwicklung des wirtschaftlichen Umfelds und der öffentlichen Forschungsbudgets sind ebenso Themen wie die Finanzierung und Steuerung von Forschungsinfrastruktur.

Im Bereich der angewandten Forschung und Technologie in Unternehmen widmet sich der Bericht unter anderem dem Potential neuer Produktions- und Kommunikationstechnologien. So forciert das bmvit Förderungen für die Breitbandinfrastruktur und gemeinsam mit dem BMWFW Initiativen zu Industrie 4.0. Das Technologieministerium unterstützt Produktionstechnologien und IKT mit einem besonderen Fokus auf Mechatronik, Robotik, neue Werkstoffe, Big-Data und das Zusammenspiel Mensch-Maschine. Damit ist es gelungen, das Thema Industrie 4.0 noch stärker in der heimischen Forschungslandschaft zu verankern.

Gemeinsam mit der TU Wien etabliert das bmvit die erste Industrie 4.0-Pilotfabrik und vergibt Stiftungsprofessuren für Industrie 4.0 an österreichischen Universitäten. Mit diesem Programm werden bis Ende 2015 sieben Professuren an den österreichischen Universitäten eingerichtet.

Um auch das Bewusstsein von KMU für Industrie 4.0 zu stärken, führte das BMWFW eine regionale Bedarfserhebung im Rahmen einer Informationsoffensive über die Nationale Clusterplattform durch. Seitens des BMWFW wurden insgesamt vier Förderprogramme von aws und FFG unter anderem mit Fokus auf Stärkung von Industrie 4.0 relevanten Qualifizierungen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und auf die Optimierung von Unternehmensstrategien im Hinblick auf Prozess-, Produkt- und Verfahrensinnovationen sowie die Erschließung neuer Märkte eingesetzt.

Ein weiterer Schwerpunkt gilt der Energie- und Umwelttechnikindustrie, die seit Jahrzehnten zu den forschungs- und innovationsintensivsten Branchen in Österreich zählt und wesentliche Beiträge zur Begrenzung des Klimawandels leistet. Des Weiteren wird der vielschichtige Zusammenhang zwischen  Innovation und Beschäftigung analysiert mit dem Ergebnis, dass durch Produktinnovation die Beschäftigung nicht nur in den innovierenden Unternehmen, sondern im gesamten Sektor steigt. Auch kann gezeigt werden, dass verstärkter IKT-Einsatz und die fortschreitende Digitalisierung nicht mit Arbeitsplatzverlusten einhergehen muss. Chancengleichheit und Gender sowie die zunehmende Bedeutung der öffentlichen Beschaffung als Instrument der Innovationspolitik sind weitere Themen des vorliegenden Berichts.

AutorInnenteam

Wolfgang Polt & Jürgen Streicher (Koordination, JR), Eva Buchinger (AIT), Bernhard Dachs (AIT), Michael Dinges (AIT), Martin Falk (WIFO), Klaus Friesenbichler (WIFO), Silvia Hafellner (JR), Barbara Heller-Schuh (AIT), Florian Holzinger (JR), Jürgen Janger (WIFO), Daniela Kletzan-Slamanig (WIFO), Angela Köppl (WIFO), Agnes Kügler (WIFO), Karl-Heinz Leitner (AIT), Andreas Niederl (JR), Christian Rammer (ZEW), Sybille Reidl (JR), Wolfram Rhomberg (AIT), Helene Schiffbänker (JR), Paula Schliessler (ZEW), Fabian Unterlass (WIFO), Daniel Wagner-Schuster (JR), Maximilian Unger (JR), Georg Zahradnik (AIT).

Verfügbarkeit der Publikation

Print-Version gratis erhältlich bei:
bmvit, Abteilung III/I2 - Forschungs- und Technologieförderung
E-Mail: i2@bmvit.gv.at 



Fundstelle: http://www.bmvit.gv.at/innovation/publikationen/technologieberichte/ft_bericht15/ft_bericht15.html
Stand: 16.06.2017