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Pimp Up Your Skills

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Titelbild
Rechte: bmvit

Band 055

Autorinnen: Anita Eichhorn, Eva Aigner-Breuss, Susanne Kaiser, Flora Strohmeier, Susanne Pröstl, Eveline Braun

Über den Inhalt

Projekthintergrund

Für die Planung von zukünftigen bewusstseinsbildenden Verkehrssicherheitsmaßnahmen hinsichtlich nicht-motorisierter Mobilität ist es wichtig sowohl gesellschaftliche als auch individuelle Einflussfaktoren auf die Mobilität zu kennen. Im Projekt "Pimp up your Skills" wurden einerseits gesellschaftliche Entwicklungen (Demographie, Megatrends, Zukunftsszenarien und Rahmenbedingungen der Mobilität) betrachtet und andererseits individuelle Bedingungen analysiert (Lebensstile, Motive, Beeinträchtigungen und Mobilitätsverhalten).

Demographie

Österreichs demographische Entwicklung ist dadurch gekennzeichnet, dass die Bevölkerung wächst, aber gleichzeitig der Anteil der Älteren steigt. Durch die steigende Lebenserwartung, sowie durch den Übertritt der starken Baby-Boom-Jahrgänge der frühen 1960er-Jahre ins Pensionsalter, werden die über 65-Jährigen zahlenmäßig in Zukunft am meisten wachsen. Bereits heute sind mehr als 18 Prozent der in Österreich lebenden Bevölkerung im Pensionsalter. Ein stetig wachsender Trend, der Österreichs Bevölkerung altern lässt.

Gesellschaftliche Trends und Lebensphasen

Verschiedene globale und lokale Trends führen allerdings zu Verschiebungen der Lebensphasen und zu neuen Lebensstilen. Beispielsweise scheint es plausibel, dass die Mobilität an sich in den kommenden Jahren in bestimmten Bereichen zurückgeht, da etwa soziale Kontakte verstärkt virtuell ablaufen werden. Trotzdem wird die Generation der älteren Menschen ("Silver Society") zukünftig sehr aktiv und mobil sein. Sie nutzen vor allem in städtischen Gebieten viel häufiger als die heute Älteren auch das Fahrrad oder gehen zu Fuß.

Die klassischen Lebensphasen "Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter, Seniorinnen- und Seniorenalter" bilden die Realität längst nicht mehr vollständig ab. Die Annahme der dreigliedrigen "Normalbiographie" mit den aufeinander folgenden Phasen "Ausbildung", "Erwerbstätigkeit" und "Pension" ist überholt. So wird zum Beispiel von Hurrelmann in der nachberuflichen Lebensphase zwischen der "Phase"Senior" und "Hohes Alter" unterschieden beziehungsweise finden zur Beschreibungzunehmend die Begriffe "drittes Lebensalter" (cirka 60–80 Jahre) und "viertes
Lebensalter" (cirka 80+) Verwendung.

Diese sich abzeichnende demografische Entwicklung in Österreich hat in hohem Maße auch Auswirkung auf die Mobilität von älteren Personen, da sich das Mobilitätsverhalten ebenfalls im Laufe des Lebens ändert. Es wird an neue Lebensphasen angepasst oder diese geben ausschlaggebende Impulse, um den eigenen Mobilitätsstil zu ändern.

Prognosen für zukünftige Mobilität zeigen verschiedene Szenarien auf. Viele Szenarien gehen davon aus, dass der Personenkraftwagen (Pkw) auch in Zukunft – vor allem im ländlichen Raum – das meistgenutzte Verkehrsmittel sein wird. Für den städtischen Raum werden eher multimodale Verkehrsteilnahmen prognostiziert.

Lebensumbrüche und Schlüsselereignisse

Vor allem Schlüsselereignisse wie der Eintritt in die Pension, der Verlust eines Lebenspartners/einer Lebenspartnerin sowie der Wegzug aus gewohnter Umgebung (zum Beispiel in ein Seniorinnen- und Seniorenheim) führen zu einer Änderung der Mobilitätswege und damit auch zu einer Veränderung des Mobilitätsverhaltens. So fällt durch den Eintritt in den Ruhestand der Arbeitsweg weg, die Zahl der Außer-Haus-Wege nimmt ab.

Wie oben beschrieben, gehen Studien zur Mobilität im Alter von unterschiedlichsten Einflussfaktoren aus. Entscheidende Kriterien sind unter anderem die jeweilige Lebensphase, in der sich eine Person befindet beziehungsweise Lebensumbrüche, die die Mobilität verändern. Im Laufe des Alters treten vermehrt gesundheitliche beziehungsweise körperliche Beeinträchtigungen auf, die auch eine Auswirkung auf die Verkehrsmittelwahl haben. Zusätzlich spielen die vorhandene Verkehrsmittelverfügbarkeit, technologische Entwicklungen und persönliche Einstellungen eine wesentliche Rolle. Auch die Verteilung des Modal Split ist unterschiedlich: Bei den jüngeren Älteren ist der Pkw weiterhin ein wichtiges Fortbewegungsmittel, wohingegen bei den über 75-Jährigen neben dem Pkw das Gehen an Bedeutung zunimmt.

Motive für nicht-motorisierte Verkehrsmittelwahl

Unterschiedliche Mobilitätsprojekte kommen zu dem Schluss, dass für nichtmotorisierte Mobilität vor allem die Motive Fitness und Gesundheit eine Rolle bei Entscheidungsprozessen spielen.

Um die Motive der nicht-motorisierten Verkehrsmittelwahl detaillierter zu beleuchten, wurden biographische Interviews (n=10) und darauf aufbauend eine telefonischen Befragung (n=400) mit Personen der Altersgruppe 50+ durchgeführt. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Mobilitätsmittelwahl der Interviewpartnerinnen und -partner im Wesentlichen von den Faktoren Schnelligkeit, Bequemlichkeit, Komfort und Unabhängigkeit beeinflusst wird. Diese Motive spielen im Alltag wie auch in der Freizeit eine tragende Rolle. Aus den Interviews geht hervor, dass sowohl in der Stadt als auch in ländlichen Gebieten der Pkw hauptsächlich zur Fortbewegung genutzt wird. Zukünftige Mobilität ist kein Thema, über das sich die Interviewten besonders viele Gedanken machen.

Die Ergebnisse der telefonischen Befragung zeigen deutlich, dass für die Gruppe 65+ das Zu-Fuß-Gehen eine wichtige Mobilitätsform ist. Diese wird auch als am sichersten empfunden. Alltagswege werden ebenfalls eher von den älteren Befragten zu Fuß erledigt. Fußwege werden in beiden Altersgruppen am häufigsten mit Spazierengehen in Verbindung gebracht.

Aufgrund der großen Unsicherheiten, mangelnder Fahrpraxis und der geringen Bereitschaft ein Fahrrad für Alltagswege zu nutzen spielt das Radfahren in der gegenwärtigen und zukünftigen Mobilität eine untergeordnete Rolle. Die Befragung diente darüber hinaus dazu, Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Mobilitätsbedingungen zu erfassen, um in weiterer Folge Maßnahmen ableiten und empfehlen zu können. Als geeignete psychologische Theorie wurde das Konzept des geplanten Verhaltens nach Ajzen herangezogen.

Durch das gewählte Modell konnten signifikante Zusammenhänge zwischen Einstellungen, Können, Gewohnheit und Normen aus dem Umfeld dargestellt werden. Vor allem der Faktor Gewohnheit muss zukünftig bei der Konzeption und Planung von bewusstseinsbildenden Maßnahmen stärker Berücksichtigung finden.

Mobilitätstypen – Ansatzpunkte für bewusstseinsbildende Maßnahmen

Da ältere Menschen mit bewusstseinsbildenden Maßnahmen zur Hebung der Verkehrssicherheit nicht immer leicht zu erreichen sind, sollten Maßnahmen hinsichtlich sicherem Radfahren und Zu-Fuß-Gehen im Alter aufbauend auf den Motiven und Trends zielgruppenspezifisch ausgerichtet sein. Zudem müssen geeignete Zeitpunkte der Ansprache entsprechend der sich verändernden Lebensphasen identifiziert werden.

Die im Projekt identifizierten Motive abgeleitet aus Literaturanalysen, Expertinnen- und Expertenworkshop und Interviews bildeten die Basis für die Entwicklung von vier Mobilitätstypen mit dem Schwerpunkt Zu-Fuß-Gehen und Radfahren.

  • Die "Experimentierfreudigen" stehen häufig noch im Berufsleben und können als offen, flexibel und leicht für Neues zu begeistern charakterisiert werden. Bewegung wird nicht um der Gesundheit willen gemacht, sondern um Spaß zu haben. Gesundheit per se ist kein wichtiges Thema.
  • Die "Verantwortungsbewussten" sind noch häufig berufstätig und können als verantwortungs- und umweltbewusst beschrieben werden. Dies äußert sich in einem bewussten Lebensstil. Gesundheit ist wichtiger als Fitness.
  • Die "Abwartenden" sind vorwiegend im Ruhestand und vor allem dann eigenständig aktiv, wenn ausreichende Anreize von außen vorhanden sind. Sie spielen oft eine wichtige Rolle in der Familie und übernehmen Betreuungsaufgaben.
  • Die "Gemütlichen" sind vorwiegend im Ruhestand und vor allem als bequem und sicherheitsorientiert zu charakterisieren. Fitness und Gesundheit haben keine Priorität. Bereitschaft für Neues ist nur eingeschränkt vorhanden.

Diese Typen ließen sich auch in den Befragungsergebnissen wiederfinden.

Mögliche Ansatzpunkte für bewusstseinsbildende Maßnahmen zum Thema nichtmotorisierte Mobilität und Alter wurden anhand von Best- und Good-Practice-Beispielen beschrieben. Eine Auswahl dieser Beispiele wurde den einzelnen Mobilitätstypen zugeordnet.

Im Zuge des Projekts umgesetzte Präventionsmaßnahmen Die Projektergebnisse und -erkenntnisse hinsichtlich selbstständiger nichtmotorisierter Mobilität und die in "PimpyS" entwickelten Mobilitätstypen bildeten die Grundlage für die Erstellung folgender Präventionsmaßnahmen:

  • Leitfaden "Fit sein – mobil bleiben", in dem Ansatzpunkte hinsichtlich zukünftige Verkehrssicherheitsmaßnahmen in anschaulicher Form für unterschiedliche EntscheidungsträgerInnen aufgezeigt werden
  • Handbuch "Fit sein – mobil bleiben: Anleitung für den Aufbau eines Sturzpräventionsprogramms für Erwachsene" für Multiplikatorinnen, Multiplikatoren und Personen mit fachlichem Hintergrund, die in Gemeinden oder Einrichtungen Bewegungsförderungsprogramme aufbauen und langfristig durchführen wollen. Ziel des Manuals ist es, eine Anleitung für den Aufbau eines Sturzpräventionsprogramms inklusive Übungs- und Testbeschreibungen zu geben und Möglichkeiten aufzuzeigen, wo und wie Angebote gesetzt werden könnten, um unterschiedliche Zielgruppen zu erreichen.

Empfehlungen

Vor allem für jene Typen, die von sich aus wenig Bewegung im Alltag einbauen und auch kaum Bewegungsangebote in Anspruch nehmen, sollten in Zukunft verstärkte und dauerhafte Kooperationen aufgebaut werden. Bewegung muss im Rahmen der vorhandenen (Gesundheits-)Strukturen – soweit möglich – institutionalisiert werden. Eine detaillierte Beschreibung dieser Ansatzpunkte kann diesem Bericht entnommen werden.

Verfügbarkeit des Bandes:



Fundstelle: http://www.bmvit.gv.at/service/publikationen/verkehr/strasse/verkehrssicherheit/vsf/55_pimp/55_pimp.html
Stand: 14.12.2017