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Alles Rot / Sofort Grün an signalgeregelten Schutzwegen

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Titelbild
Rechte: bmvit

Band 063

Autorin und Autoren: Wolfgang J. Berger, Sebastian Riegler, Michael Aleksa, Peter Saleh, Rainer Stütz, Georg Huber, Elisabeth Lepka, Florian Simetsberger, Bernd Cagran, Wolfgang Ortner

Über den Inhalt

Signalgeregelte Schutzwege mit Anmeldetableaus für Fußgängerinnen und Fußgänger – sogenannte "Druckknopfampeln" (DKA) – zeigen im Standardfall Dauergrün für den Fahrzeugverkehr. Für Fußgängerinnen und Fußgänger bedeutet dies eine Wartezeit von zumindest 8 Sekunden, bevor sie nach dem Drücken des Anmeldetasters Grün bekommen, da zuvor das Fahrzeugsignal von Grün auf Rot wechseln muss. Nicht zuletzt deshalb lassen sich Fußgängerinnen und Fußgänger zu Rotlichtmissachtungen verleiten, und ebenso Fahrzeuglenkerinnen und -lenker, wenn sie den Schutzweg dann leer vorfinden.

Im Zuge des Projekts wurde – erstmals in Österreich – eine DKA mit einer Schaltung erprobt, die in der Grundstellung für alle Rot zeigt. Sie wechselt erst dann auf Grün, wenn dies entweder Fußgängerinnen und Fußgänger per Tastendruck anfordern oder wenn herannahende Fahrzeuge von Detektoren registriert werden. Die Anlage, die mit dem neu entwickelten Schaltprogramm im März 2016 auf den Pilotbetrieb "Alles-Rot/Sofort-Grün" (ARSG) umgestellt wurde, befindet sich in Graz. Sie regelt einen stark frequentierten Schutzweg über eine stark befahrene zweistreifige Einbahn.

Vor und nach der Umstellung der Anlage wurden in jeweils mehrtägigen Erhebungen mit unterschiedlichen Methoden zahlreiche Indikatoren des Fuß- und Kraftfahrzeugverkehrs (teilweise auch des querenden Radverkehrs) erhoben und miteinander verglichen. Im Wesentlichen zeigte sich dabei, dass durch die ARSG-Schaltung gegenüber vorher vor allem die objektiv gemessenen Wartezeiten für Fußgängerinnen und Fußgänger erheblich reduziert sind, was von diesen auch subjektiv als sehr positiv wahrgenommen wird. Die Geschwindigkeiten der Kraftfahrzeuge (Kfz) im Annäherungsbereich zur DKA wurden geringer und im Tagesverlauf gleichmäßiger. Ebenso ist der Anteil der Überschreiter des Tempolimits zurückgegangen.

Einen potenziellen Nachteil der Schaltung stellen jedoch die Rotlichtmissachtungen dar, die sowohl beim Fuß- und Radverkehr als auch beim Kfz-Verkehr zugenommen haben. Zudem ist wegen der für die Benutzerinnen und Benutzer oft ungewohnten und rasch ablaufenden Signalfolgen mit einer entsprechenden Eingewöhnungszeit zu rechnen. Bei den Autofahrerinnen und Autofahrern ist weder besondere Zustimmung noch Ablehnung der ARSG-Schaltung zu erkennen, von den Fußgängerinnen und Fußgängern wird sie hingegen gut akzeptiert. Die bisherigen Erfahrungen der Stadt Graz mit dem praktischen Betrieb der Anlage sind ebenfalls durchwegs gut. Insgesamt fällt die Beurteilung der ARSG-Schaltung an der Pilotanlage positiv aus beziehungsweise erscheint es durchaus zweckmäßig, die Schaltung auch für andere DKA ins Auge zu fassen.

Verfügbarkeit des Bandes:



Fundstelle: http://www.bmvit.gv.at/service/publikationen/verkehr/strasse/verkehrssicherheit/vsf/63_alsogruen/63_alsogruen.html
Stand: 14.12.2017