Direkt zum Inhalt ~

Social-Media-Navigation

Sprach-Navigation



Spielerisches kognitives Training

Bild vergrößern
Titelbild
Rechte: bmvit

zur Verbesserung von Aufmerksamkeit und Multitasking älterer FahrradfahrerInnen

Band 050

Autor: Jürgen Pripfl

Über den Inhalt

Das Fahrrad ist ein gesundes, ökologisch nachhaltiges und leicht zugängliches Verkehrsmittel, das sich auch bei älteren Menschen hoher Beliebtheit erfreut. Verkehrsunfallstatistiken zeigen, dass ältere FahrradfahrerInnen ein erhöhtes Unfallrisiko aufweisen. Die Ursachen dafür sind vielfältig, altersbedingte Verschlechterungen in der Multitasking-Fähigkeit ist vermutlich eine davon.

In der vorliegenden Studie wurde das „BikeRacer-Multitasking“ Computertraining entwickelt und dessen Wirkung auf die Leistung von älteren FahrradfahrerInnen (65+) umfassend evaluiert. Um den Effekt des 4-wöchigen Trainings zu messen, wurde eine randomisierte aktiv kontrollierte dreiarmige Studie durchgeführt. Zusätzlich zur Versuchsgruppe (VG), die das BikeRacer-Multitasking Training absolvierte, wurden zwei aktive Kontrollgruppen (KG) untersucht: KG1 trainierte mit einer vereinfachten Variante des BikeRacer-Spiels, das keine Multitasking-Komponente beinhaltete und hier als BikeRacer-Tracking bezeichnet wird, und KG2 spielte im selben Ausmaß das Sudoku-Spiel.

Um eindeutig festzustellen, ob potentielle Trainingseffekte auf die Verbesserung von Multitasking-Fähigkeiten oder auf andere Fähigkeitsverbesserungen, wie z.B. Verarbeitungsgeschwindigkeit, rückführbar sind, wurde vor und nach dem Training eine Testbatterie mit unterschiedlichen psychologischen Leistungstests erhoben. Um den Transfer der trainierten Multitasking-Fähigkeit in den Verkehrsalltag zu überprüfen, mussten die TeilnehmerInnen vor und nach dem Training eine Reihe von Aufgaben auf einem Fahrradparcours bewältigen. Zusätzlich wurden auch noch Daten mittels Fragebogen erhoben.

In die Analyse gingen 56 Personen (27 weiblich; VG N=19; KG1 N=19; KG2 N=18) mit einem Durchschnittsalter von 70,5 Jahren ein. Bezüglich Alter, Bildungsstand, Häufigkeit des Führerscheinbesitzes und Radfahrhäufigkeit gab es keinen Unterschied zwischen den drei Gruppen.

Die Befragung zeigte, dass das BikeRacer-Multitasking Training Spaß machte und auch über einen längeren Zeitraum hinweg (mehr als 4 Wochen) motivierend wirkte. Die Ergebnisse der psychologischen Leistungstests ergaben, dass das BikeRacer-Multitasking Training, nicht aber die beiden anderen Trainingsmethoden, zu einer Verbesserung der Multitasking-Fähigkeit führte. Die Evaluierung am Fahrradparcours zeigte, dass es nur der VG gelang, ihre Leistung in einer komplexen Fahrsituation, in der eine Primäraufgabe (Fahrradfahren), Sekundäraufgabe (beim Auftreten von Zielreizen klingeln) und eine Tertiäraufgabe (Wörter merken) zu bewältigen waren, nach dem Training sowohl in der Primäraufgabe (gemessen mittels Rundenzeiten) als auch in der Tertiäraufgabe zu verbessern.

Multitasking beinhaltet die Fähigkeit verschiedene Aufgaben gleichzeitig auszuführen bzw. so zu koordinieren, dass die Leistung in den einzelnen Aufgaben aufrechterhalten bleibt. Diese Fähigkeit ist vor allem auch im Straßenverkehr relevant, da dort oft mehrere Informationskanäle gleichzeitig beachtet werden müssen. Überträgt man die Ergebnisse dieser Studie auf den Straßenverkehr dann ist anzunehmen, dass durch das BikeRacer-Multitasking Training in Situationen die eine hohe geteilte Aufmerksamkeit verlangen, mehr Aufmerksamkeitsressourcen für die Primäraufgabe (das Fahrradfahren) zur Verfügung stehen, wodurch solche kritische Situationen besser bewältigt werden können. Da die vorliegende Studie keine Langzeiteffekte untersucht hat, ist eine definitive Aussage über die Dauer der Wirkung derzeit nicht möglich. Die Überprüfung von Langzeiteffekten des BikeRacer-Multitasking Trainings wird daher empfohlen.

Verfügbarkeit des Bandes:



Fundstelle: http://www.bmvit.gv.at/verkehr/strasse/sicherheit/fonds/vsf/50_spielerischestraining/50_spielerischestraining.html
Stand: 14.12.2017